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Aus dem Würzburger Sonntagsblatt, Februar 2004
 
     
 

Ein Stück gelebte Partnerschaft

 
     
 

Seit 15 Jahren sind Würzburg und die Diözese Mbinga in Tansania offiziell Partner. Vieles ist geschehen, vieles noch zu tun. Auf beiden Seiten soll die Partnerschaft nun lebendiger gelebt werden. Zum ersten Mal geht nun mit Diakon Klaus Köhler (44), Betriebsseelsorger und KAB-Sekretär, von deutscher Seite ein Kleriker nach Ostafrika. Das Würzburger katholische Sonntagsblatt sprach mit ihm über Motivation, Ängste und Hoffnungen.

Herr Köhler, sind Ihre Koffer für Tansania schon gepackt?
Nein, noch nicht. Es geht ja erst am 1. März los, voraussichtlich um 20.15 Uhr von Frankfurt aus nach Dubai und weiter nach Daressalam. Von dort dauert die Fahrt mit dem Bus noch etwa 18 Stunden bis Mbinga.

Was wird während des einjährigen Aufenthaltes in Tansania ganz konkret Ihre Aufgabe sein?
Ganz konkret kann ich es von hier aus noch nicht beurteilen. Es ist zunächst vorgesehen, dass ich als zweiter Bischofssekretär Bischof Dr. Emmanuel Mapunda zur Seite stehe, etwa bei Firmungen. Außerdem werde ich seine deutschen Korrespondenzen erledigen. Als Vorbereitung lerne ich seit September Kisuaheli.

Also warten nur Verwaltungsarbeiten auf Sie?
Gerne würde ich mich in einem Kindergarten täglich etwa eine Stunde mit den Kindern beschäftigen. Ich hoffe, das klappt.

Ihr Aufgabenbereich scheint also noch etwas ungewiss. Stört Sie das?
Im Grunde habe ich ja als zweiter Bischofssekretär eine feste Aufgabe. Ungewissheit verspüre ich nicht, schließlich weiß ich um die klerikalen Strukturen, in die ich eingebunden bin. Außerdem durfte ich Menschen wie Bischof Emmanuel bereits kennen lernen.

Wie sieht es mit der Finanzierung des Austausches aus?
Dabei gibt es keine Probleme. Ich werde in dem Jahr mein Gehalt ganz normal weiterbeziehen.

Warum gehen Sie nach Mbinga? Fehlt es der katholischen Kirche dort an Mitarbeitern?
Mit der Anzahl der Mitarbeiter hat meine Reise eigentlich gar nichts zu tun. Ich gehe in erster Linie dorthin, um den partnerschaftlichen Austausch zu beleben. Während von afrikanischer Seite bereits reichlich Theologiestudenten und werdende Pfarrer in Würzburg waren, sieht es andersherum noch mau aus. Mein Besuch ist auch ein Zeichen der gleichwertigen Partnerschaft.

Und was bedeutet gleichwertige Partnerschaft zwischen Mbinga und Würzburg konkret?
Das heißt, dass nicht nur die Tansanier von uns lernen können. In Mbinga kann man Glaube und Spiritualität erfahren, was hier oft unter vielen Schichten verborgen bleibt. Die tiefe Religiosität und Lebensfreude der Menschen ist sehr beeindruckend. Ich gehe als Lernender hinüber und kann hoffentlich auch ein Stück dieser Religiosität mit nach Deutschland bringen.

Diese Vision bewegt Sie auch persönlich, nach Mbinga zu gehen?
Ja, natürlich. Ich werde aber auch viel Neues lernen und Lebensbedingungen in einem anderen Zusammenhang sehen. So werde ich beispielsweise hautnah miterleben, dass fließendes Wasser und Strom aus der Steckdose nicht selbstverständlich sind.

Welche Erfahrungen können Ihnen in Mbinga nützlich sein?
Mit meiner beruflichen Vorerfahrung kann ich sicherlich in der Buchhaltung helfen. Auch meine Erfahrung in Verbänden wie der KAB kann nützlich sein, um zu zeigen, wie man Strukturen effektiver machen kann. Vielleicht kann ich als gelernter Stahlbauschlosser ja sogar mein handwerkliches Wissen weitergeben – eventuell an Schüler der Berufsschule. Aufzwängen werde ich meinen Gastgebern aber nichts.

Sie sind verheiratet und haben zwei Kinder. Wie hat die Familie auf Ihre Ankündigung reagiert, nach Tansania zu gehen?
Die Idee ist bereits 2000 vonseiten Bischof Emmanuels an uns herangetragen worden. Damals habe ich meiner Familie davon erzählt. Die Reaktionen waren positiv. Mit meiner Frau Gabriele habe ich lange über die Situation diskutiert. Sie fand die Reise von Anfang an sehr sinnvoll und bestärkte mich, diese einmalige Chance wirklich wahrzunehmen. Meine Kinder Laura (13) und David (15) haben keine Bedenken. In den Sommerferien besuchen sie mich.

Also werden Sie kein Heimweh haben?
Na ja, es wird sicherlich nicht einfach. Aber ich denke, die Idee hat genügend Zeit gehabt zu reifen. Wir sind gut darauf vorbereitet.

Interview: Nadine Ortmanns